​Klimaziele 2030 mit Verbrennungsmotor? Das geht!

Eine integrierte Betrachtung von Zukunftsszenarien in der Logistik mit Schwerpunkt Methan / Bio Methan war im IVECO Auslieferungszentrum Ulm der Anspruch, um Politik, Gasindustrie, Kunden und Hersteller an einen Tisch zu bekommen. Herausgekommen ist eine Erörterung dessen, was machbar ist und was sich rechnet.

Transport ist ein vielschichtiges Thema: Was in der urbanen Logistik funktioniert, geht nicht automatisch auch im städtischen Personennahverkehr. Und im Güterverkehr über lange Strecken tickt die Uhr wieder anders. Eines ist jedoch gemeinsam: technologieunabhängig gilt es, die ehrgeizigen Klimaziele für zunächst 2030 zu erreichen! Das war das Thema einer „voll gebuchten" Veranstaltung in unserem IKC in Ulm.

Den ersten Wurf machte Staatssekretär Norbert Barthle. Er wies auf eine geplante Förderrichtlinie zum Erwerb von Gasfahrzeugen ab 7,5 Tonnen hin, die noch in der Ressortabstimmung sei. Weil auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vom Gasantrieb überzeugt sei, wies er darauf hin, dass die Verlängerung der Steuerreduktion auf Erdgas in Höhe von 20 Cent / kg bis 2024 / 2026 aus dem Budget des Verkehrsministeriums bezahlt würde. 

Während das CNG Netz (komprimiertes Erdgas) mit 900 Zapfstellen hinreichend dicht sei, böte LNG noch Luft, gab Peter Meyer, Leiter Außenbeziehungen bei „Zukunft Erdgas" zu und ergänzte, dass 14 Tankstellen entlang der Hauptmagistralen zunächst ausreichen würden und die auch zügig entstünden. Peter Meyer plädierte eindringlich dafür, immer das Gesamtsystem zu betrachten. So sei die Produktion der Batterien eine extrem energieaufwändige Angelegenheit und der Strom müsse weitestgehend aus regenerativen Quellen stammen, um in der e-Mobilität von „Zero Emission" zu sprechen.

Das gilt auch für Erdgas, denn der ca. 15% geringere CO2 Ausstoß des Erdgasmotors reicht letztlich nicht zur Erreichung der Klimaziele. Eine Lösungsmöglichkeit zeigte Tatiana Demeusy, Projektleiterin erneuerbare Energien bei Erdgas Südwest. Demeusy hat nachgewiesen, dass regenerativ erzeugtes Erdgas (Biomethan) im großen Maßstab bereits heute zur Verfügung steht. Durch die zusätzliche Nutzung des in der Biogasanlage erzeugten CO2 in PowertoGas-Anlagen zur Erzeugung von synthetischem Methan, so genanntes Bio-SNG mit Hilfe von Wasserstoff, kommt dieser CO2-Nutzung anstelle eines Übergangs in die Atmosphäre ein weiterer klimafreundlicher Aspekt bei.

Marten Bosselmann, Geschäftsführer BIEK (Bundesverband Paket- & Expresslogistik) verdeutlichte durch die Darstellung des exorbitanten Wachstums seiner Branche die Notwendigkeit, ein nachhaltiges Fahrzeugangebot zur Verfügung zu haben, das auch bezahlbar ist. Methan sei dabei auf alle Fälle eine unterbewertete Alternative. 

Sascha Kaehne, Vorstand Vertrieb und Marketing IVECO Magirus AG, wies eingangs darauf hin, dass IVECO derzeit in Sachen alternativer Antriebe eine führende Position einnähme. Vom e-Transporter (Daily Electric) über Elektro- und Hybridbusse hat IVECO alle Technologien im Haus. Es gibt jedoch eine Technologie, die vom Transporter bis zum Schwer-LKW immer eine saubere Lösung darstellt: die Naturgasmobilität! Beim Schwer-LKW ist sie vermutlich die einzige, weil bereits verfügbare Technologie, die zur Erreichung der 2030er Klimaziele taugt. Lange Strecken und hohe Gewichte passen genau zum Anforderungsprofil von LNG, also tiefgekühltem, verflüssigten Erdgas mit 1.600 km Reichweite. Wenn man dem Kraftstoff Methan über die Option Bio-Methan bzw. PtX dieselben Merkmale billigt wie der Elektromobilität mit erneuerbarem Strom, ist die CO2 Bilanz geeignet, die Ziele auch noch wirtschaftlich und bezahlbar zu erreichen. Mit dem Unterschied, dass Biomethan bereits verfügbar ist. Denn die Klimaziele warten nicht!   ​