​Diese 5 Fakten zu Gasfahrzeugen sollten Sie kennen​!

​Muss man ein Fahrzeug mit Gasmotor anders fahren? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen LNG und CNG? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es von unserem Experten für alternative Antriebe, Friedrich Lesche.

Warum ist Methan ein interessanter Kraftstoff?

Friedrich Lesche: Methan ist der Kraftstoff mit dem geringsten Kohlenstoffanteil aller kohlenwasserstoffhaltigen Kraftstoffe. CH4 bedeutet, dass auf ein Kohlenstoffatom 4 Wasserstoffatome kommen. Dies hat eine sehr saubere Verbrennung zur Folge. Das wiederum bedeutet sowohl einen geringen CO2-Ausstoß als auch geringe Luftschadstoffe wie Stickoxide und Partikel. Jeder von uns kennt die saubere, blaue, rußfreie Flamme, die bei einem Gasherd zu sehen ist. Bei Dieselkraftstoff ist das Verhältnis 2:1. Das bedeutet doppelt so viele Kohlenstoffatome im Kraftstoff als bei Methan. Darüber hinaus kann Methan nicht nur als fossiles Methan (= Erdgas) verwendet werden, es kann regenerativ hergestellt werden – aus biologischen Abfällen, Klärschlamm, oder als Biogas –und ist somit nahezu CO2 neutral einzustufen, wodurch der dann aufbereitete Kraftstoff, das Bio-Methan, auch als CO2 neutraler Kraftstoff einzustufen ist. Zudem kann man erneuerbares Methan auch in sogenannten „Power to Gas"-Anlagen herstellen. Dort wird aus Wind- oder Sonnenstrom, der gerade nicht benötigt wird sogenanntes E-Gas. Auch dieses erneuerbare Methan ist CO2 – neutral.

NP-Fahrzeuge bieten daher im Vergleich zu anderen Antriebsarten die einmalige Vielfalt, den Kraftstoff aus 3 verschiedenen Quellen zu beziehen und ihn, ohne irgendwelche Veränderungen am Fahrzeug vornehmen zu müssen, zu verwenden – entweder nur aus einer Quelle oder gemischt. Das spielt keine Rolle.

Was ist der Unterschied zwischen CNG und LNG?

Friedrich Lesche: CNG steht für „Compressed Natural Gas". Das bedeutet, dass das Methan auf ca. 200 bar verdichtet, also das Volumen um das 200-fache verkleinert wird und in mehreren Stahlflaschen am Fahrzeug mitgeführt wird. Je nach Größe dieser Stahlflaschen kann man damit Reichweiten von 500-600 km im regionalen Fernverkehr erreichen. In Deutschland gibt es ca. 900 CNG Tankstellen. LNG steht für „Liquefied Natural Gas". Das bedeutet, dass das Gas flüssig ist. Dies funktioniert durch ein Abkühlen auf ca. -162 °C. Dadurch erhalten wir eine tiefkalte Flüssigkeit, die einer Volumenreduzierung um das 600-fache entspricht. Das bedeutet, dass man mit 2 großen LNG-Tanks am Fahrzeug eine Reichweite von bis zu 1600 km erreichen kann, wodurch diese LNG-Fahrzeuge für den internationalen Fernverkehr geeignet sind. Da LNG nur geringen Druck im Tank erzeugt, sind diese Tanks aus 2 Edelstahl-Hüllen mit einer Isolationsschicht dazwischen. Die Funktionsweise entspricht ungefähr der einer Thermoskanne. Wir haben also Methan als ein und denselben Kraftstoff nur in unterschiedlicher Form am Fahrzeug. Man muss hier unterscheiden, für welchen Einsatz das Fahrzeug konzipiert wird. Für den städtischen und regionalen Verkehr mit einer Reichweite von 500-600 km ist CNG richtig. Für den Fernverkehr darüber ist LNG ideal.

Worin unterscheiden sich die Motoren für diesen Kraftstoff eigentlich?

Friedrich Lesche: Grundsätzlich sind diese Motoren genauso robust und langlebig wie die Dieselmotoren. Sie müssen ja auch dieselben Aufgaben erfüllen. Jedoch unterscheiden sie sich in der Arbeitsweise. Im Gegensatz zum Dieselmotor, der auch „Selbstzünder" genannt wird, benötigen der Gasmotor und auch der Benzinmotor, eine Zündquelle. Diese Zündquelle ist die Zündkerze. Wie auch beim Benzinmotor ist zur Abgasnachbehandlung ein einfacher 3-Wege-Katalysator ausreichend um hervorragende Abgaswerte zu erreichen. Der Dieselmotor gemäß Euro VI-Abgasnorm benötig hierzu eine sehr komplizierte und umfangreiche Abgasnachbehandlung. Die Arbeitsweise des Gasmotors bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich. Er läuft deutlich leiser als der Dieselmotor, das zeichnet ihn auch für den innerstädtischen Verkehr aus und die Fahrer genießen das niedrige Geräuschniveau in der Fahrerkabine.

Muss man Fahrzeuge mit Gasmotor anders fahren?

Friedrich Lesche: Noch vor einigen Jahren, als die methanbetriebenen LKWs noch mit Handschaltgetrieben ausgerüstet waren, musste man sich schon ein wenig daran gewöhnen, dass der Gasmotor - wie ein Benziner – eine höhere Anfahrdrehzahl braucht als der Diesel. Zudem läuft dieser Motor im optimalen Bereich bei einer geringfügig höheren Drehzahl. Heute, da die Fahrzeuge alle mit automatisierten Schaltgetrieben ausgestattet sind, wie die Dieselfahrzeuge auch, besteht der einzige Unterschied darin, dass man zum Anfahren das Gaspedal ein wenig weiter durchdrücken muss. Dann geht's los wie beim Diesel, heute mit bis zu 460 PS aus 13 l Hubraum.

Wie viele Modellvarianten gibt es?

Friedrich Lesche: Um Natural-Power-Fahrzeuge in bestehende Dieselfuhrparks integrieren zu können, müssen sie dieselben Aufgaben erfüllen können. Dies bedeutet, dass sie auch gleich ausgerüstet sein müssen. IVECO hat natürlich mit den Fahrzeugkonfigurationen begonnen, die den größten Anteil im Güterverkehr darstellen. Im Fernverkehr sind dies die Sattelzugmaschinen. Im nächsten Schritt kommen Wechselbrückenfahrgestelle, ADR-Varianten und natürlich der sogenannte „Low-Tractor". Eine Sattelzugmaschine mit einer niedrigen Aufsattelhöhe für Volumentransporte. Im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge ist dies ebenfalls so. Vom Kastenwagen mit 3,5 t bis hin zum Fahrgestell mit 7,2 t und einem 6 m Kofferaufbau ist alles darstellbar.​